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Home Sonderthemen Komplett Wie sich der Körper selbst heilt
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15:07 12.03.2018
Wer seine Selbstheilungskräfte unterstützen möchte, sollte vor allem Stress abbauen – zum Beispiel bei einem Spaziergang am Meer. Foto: Julian Stratenschulte/dpa-tmn
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12.03.2018

Komplett

VON SABINE MEUTER 

Selbstheilungskräfte stecken in jedem. Das ist von Natur aus so. Der „innere Doktor“ ist fürsorglich – und rund um die Uhr im Einsatz. Wer sich versehentlich in den Finger geschnitten hat und blutet, kann beobachten, wie sich die Wunde mit der Zeit – ganz von allein – zusammenzieht und schließlich heilt. Der „Arzt im eigenen Körper“ schüttelt auch die lästige Erkältung ab, er lässt selbst gebrochene Knochen wieder zusammenwachsen. „Ein Großteil der Erkrankungen heilt von selbst aus“, sagt Rainer Stange. Der Internist ist Leitender Arzt der Abteilung Naturheilkunde am Immanuel Krankenhaus Berlin.

Ähnlich sieht es der Neurobiologe Prof. Gerald Hüther: „Jede Heilung ist eine Selbstheilung“, sagt er und betont: „Niemand kann einen anderen Menschen gesund machen.“ Das heißt aber natürlich nicht, dass man bei Beschwerden oder Krankheiten nicht mehr zum Arzt gehen sollte. „Die ärztliche Kunst besteht darin, beim Erkrankten den Prozess der Selbstheilung zu unterstützen“, sagt Hüther. Entscheidend ist dafür nicht nur, dass der Arzt etwa eine offene Wunde versorgt oder einen gebrochenen Arm schient. Auch der Zuspruch des Mediziners kann die Selbstheilungskräfte stimulieren – genauso wie die Überzeugung des Patienten selbst.

Die innere Einstellung spielt nicht nur bei der Genesung eine Rolle, sondern ist auch entscheidend dafür, ob jemand krank wird oder nicht. „Gefühle und Gedanken haben einen enormen Einfluss auf das eigene Wohlbefinden“, erklärt Stange. Schon die kleinste seelische Störung bringt den Körper aus der Balance – und verstärkt das Risiko für Beschwerden, erklärt Hüther. Darum bekommt manch einer nach einem Streit mit dem Partner oder Ärger im Job Durchfall oder Kopfschmerzen.

Dr. Rainer Stange, Internist. Foto: Rainer Stange
Dr. Rainer Stange, Internist. Foto: Rainer Stange

„Frauen und Männer, die beruflich unter Druck stehen, haben ein viel höheres Risiko, sich eine Erkältung zu holen als andere, die keinen Stress haben“, fügt der Neurobiologe hinzu. Das belegen Studien der Psychoneuroimmunologie, die sich mit dem Zusammenwirken von Seele und Körperabwehr beschäftigt. Der amerikanischen Psychologe Sheldon Cohen wies nach, dass Menschen, die mehr Freunde und weniger Stress haben, weniger anfällig für Erkältungen sind.

Aber wie stellt es der Körper an, sich selbst zu heilen, wenn er doch einmal beeinträchtigt ist? Der komplexe menschliche Organismus wird vom Gehirn gesteuert. Wie aus einer Kommandozentrale regelt es das Herz-Kreislauf-System, den Hormonhaushalt sowie das Nerven- und das Immunsystem. „Sobald das Hirn ein Signal bekommt, dass irgendwo im Körper etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist, aktiviert es die Selbstheilungskräfte“, erläutert Hüther. So repariert und erneuert der Körper beispielsweise permanent Zellen - ohne dass der Mensch es merkt.

Man kann seine Selbstheilungskräfte aber auch ganz bewusst aktivieren. Beispielsweise, indem man aktiv darüber nachdenkt, was einem in einer bestimmten Situation guttut, erklärt die Münchner Heilpraktikerin Ursula Hilpert-Mühlig vom Fachverband Deutscher Heilpraktiker. Jemand, der unter Schlafstörungen leidet, kann sich zum Beispiel darüber Gedanken machen, was ihn am Schlafen hindert, und dann optimale Schlafbedingungen schaffen. Dieser Ansatz nennt sich „Salutogenese“. Das lateinische Wort „salus“ bedeutet gesund, „genesis“ heißt Ursprung. Das Konzept beschäftigt sich mit der Frage, inwiefern der Mensch selbst durch seine Gedanken seine Gesundheit erhalten oder wieder herstellen kann. Wer permanent unter starken Kopfschmerzen leidet, geht im Sinne der „Salutogenese“ in sich und stellt fest, dass er sich zu wenig bewegt und deshalb einen verspannten Nacken hat. Konsequenz: mehr Sport.

Selbstheilungskräfte stoßen aber auch an ihre Grenzen. „Wenn der Körper krankheitsbedingt nicht mehr in der Lage ist, zum Beispiel Insulin oder Schilddrüsenhormone zu produzieren, dann nutzt der innere Arzt wenig“, sagt Stange, der Präsident des Zentralverbands der Ärzte für Naturheilverfahren und Regulationsmedizin (ZAEN) ist. Und auch Erkrankungen wie Krebs heilen nicht von selbst. „Betroffene können aber mitunter ihre Situation verbessern, wenn sie ihre schwere Erkrankung bewusst annehmen und versuchen, ihr positive Gedanken entgegenzusetzen“, sagt Hüther.

Wer seine Selbstheilungskräfte stärken will, sollte achtsam gegenüber seinen Bedürfnissen sein, wie Hilpert-Mühlig erklärt. Entscheidend sind ausreichend Schlaf, eine ausgewogene Ernährung und Bewegung. „Was einem in welchem Ausmaß guttut, muss jeder für sich selbst herausfinden“, sagt die Heilpraktikerin. Auch gute Beziehungen zu anderen wirken sich ihr zufolge positiv auf das Wohlbefinden aus. „Ganz wichtig ist aber, Stress abzubauen“, so Hüther. Hilpert-Mühlig rät zu Entspannungsübungen, Meditation und Yoga. Denn: Unter Stress bleiben die eigenen Bedürfnisse auf der Strecke. Und dann kann auch der „innere Arzt“ nicht richtig arbeiten.


Gesund kochen mit regionalen Produkten

Wer regional einkauft, nimmt den kürzesten Weg zu Frische und Genuss.

Mit frischen Zutaten zu kochen, ist gesund und macht Spaß. Foto: iStockphoo.com/ Mladen_Kostic
Mit frischen Zutaten zu kochen, ist gesund und macht Spaß. Foto: iStockphoo.com/ Mladen_Kostic

VON TANJA PIEPHO

Nichts gegen Geschmacks- explosionen oder ein feines Drei-Gänge-Menü und natürlich sind Mangos und Erdbeeren das ganze Jahr über verlockend, Tiefseegarnelen und neuseeländisches Lamm ein Gaumenschmaus. Aber müssen die Zutaten für eine kulinarische Offenbarung wirklich einmal um die ganze Welt geflogen werden? Wer Lebensmittel aus dem Norden Deutschlands verarbeitet, sorgt nicht nur für eine bessere Klimabilanz, sondern unterstützt auch gleichzeitig die Bauern aus der Region.

Außerdem liegt die Besinnung auf die regionale Küche und heimischen Produkte voll im Trend. Allein wegen der Vorfreude: Gibt es etwas Schöneres, als dem ersten Spargel oder Rhabarber entgegenzufiebern? Der Genussfaktor steigt beim Essen dann noch einmal, denn alles was in heimischer Erde gewachsen ist, hat in der Regel einen viel intensiveren Geschmack.

Heimisches für die Seele

Grünkernklopse, junge Möhren und Kartoffeln, ein Teller Nudeln mit Bärlauchpesto oder selbst gerührter Schnittlauchquark als Dip zu frischem Bauernbrot – das sind doch bodenständige Mahlzeiten, Kindheitserinnerungen, echtes Soul-Food. made in Hannover.

Und auch wer gern experimentiert oder nach Rezepten kocht, findet in der Region Zutaten, die durchaus Gourmet-Qualitäten haben. Gerichte wie Kalbsfilet an Steinpilz-Risotto, feines Zanderfilet mit Speckstippe und Ofenkartoffeln oder Heidschnucke an herrlichem Wirsinggemüse sind nur einige Beispiele, die zeigen, wie viele Möglichkeiten die regionale Küche für kreatives Kochen zu bieten hat.

Wer auf die mediterrane oder orientalische Küche steht, wird auf der Suche nach passenden Zutaten ebenfalls in der Region fündig. Rapsöl ist beispielsweise eine echte Alternative zu Olivenöl, statt Quinoa und Hirse lassen sich Weizen, Dinkel und Grünkern zubereiten und Wild von Tieren aus heimischen Wäldern kann in den geschmacklichen Eigenschaften ebenso überzeugen wie Rind aus Argentinien, Forelle und Saibling sind eine tolle Alternative zum Seefisch.

Die Region genießen

Ob Supermarkt, Discounter, Reformhaus oder Bioladen – fast überall werden heute Lebensmittel aus der Region angeboten. In den ländlichen Gegenden und auf den Wochenmärkten stehen Direktvermarkter, die Produkte aus eigener Ernte verkaufen.

Wer sich hier versorgt, hat den Vorteil, dass die Nahrungskette recht transparent wird. Denn der Verbraucher kann den Erzeuger persönlich kennenlernen, hat einen direkten Einblick in die Arbeitsbedingungen und trägt durch eine regionale Ernährung seinen Teil zum Überleben kleinerer Landwirte bei. Das gilt auch für den Einkauf bei jenen Anbietern, die ihre meist biologisch angebauten Produkte in der sogenannten Abo-Gemüsekiste direkt nach Hause liefern – aber regelmäßig zu Hofbesichtigungen einladen. Kartoffeln vom Bauern und Eier aus Hofhaltung, Spargel und Beeren bekommt man in der Region Hannover noch an kleinen Buden entlang der Landstraßen. In dem kleinen Örtchen Sprockhof in der Wedemark wird in einer hofeigenen Molkerei wie in alten Zeiten Quark, Butter und Joghurt gerührt. Diese Produkte werden bis in die Supermärkte Hannovers geliefert, ebenso die Tomaten aus Wettbergen, selbstgebrautes Bier aus Wülfel sowie Hochprozentiges wie Gin und Wodka vom Weidendamm, Fleisch und Wurstwaren aus Ilsede, Fruchtsäfte aus Algermissen und Kaffee aus den vielen kleinen Röstereien zwischen Misburg und Godshorn.

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